Seminar

Verstehen statt Verurteilen – Grundlagen von und für opfergerechte Täter*innenarbeit in der Eingliederungshilfe

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Hintergrund und Relevanz opfergerechter Täter*innenarbeit:
Wenn Menschen mit Unterstützungsbedarf sexuelle, körperliche oder psychische Grenzverletzungen begehen, stellt dies Einrichtungen der Eingliederungshilfe vor komplexe Herausforderungen. Reine Reglementierungen, Verbote oder institutionelle Strafmaßnahmen reichen meist nicht aus, um Verhaltensänderungen zu bewirken oder langfristige Sicherheit zu garantieren. Hier setzt die opfergerechte Täter*innenarbeit an:

Sie wird als aktiver und notwendiger Beitrag zum Opferschutz verstanden, da sie direkt an den Ursachen des Verhaltens ansetzt, um zukünftige Übergriffe und Rückfallrisiken zu minimieren. Für ein funktionierendes und lebendiges Gewaltschutzkonzept ist es daher von zentraler Bedeutung, dass Fachkräfte umfassend sensibilisiert sind, Warnsignale frühzeitig erkennen und über das nötige Fachwissen verfügen, um professionelle Interventions- und Unterstützungsstrukturen zu etablieren.

Ziele der Schulung:

  • Haltungsreflexion: Entwicklung einer heilpädagogisch-systemischen Arbeitsweise, die konsequent zwischen der Würde der Person und der Bewertung des grenzverletzenden Verhaltens trennt.
  • Handlungssicherheit: Vermittlung von Struktur und Methoden zur Tataufarbeitung und Verhaltensanalyse. Präventionskompetenz: Erkennen von individuellen Risikofaktoren sowie das Erlernen von Deeskalations- und Rückfallprophylaxe-Strategien.
  • Systemische Vernetzung: Stärkung der interdisziplinären Zusammenarbeit im sozialen Umfeld der Nutzerin/des Nutzers, um nachhaltige und sichere Strukturen im Einrichtungsalltag zu verankern.

Inhalte der Schulung:

Tag 1: Professionelle Haltung, rechtliche Grundlagen und Tataufarbeitung

  • Begriffsklärung: Wer sind„Täter*innen“ in der Eingliederungshilfe?
  • Gesellschaftliche Perspektiven und Vorurteile in der Arbeit mit übergriffigen Personen
  • Ursachen und Dynamiken
  • Die heilpädagogisch-systemische Grundhaltung: Der Spagat zwischen der Anerkennung der Person und der klaren Konfrontation mit dem Fehlverhalten
  • Unterscheidung von Grenzverletzungen, Übergriffen und Straftaten
  • Tatrekonstruktion und Verhaltensanalyse: Methodisches Vorgehen bei der Aufarbeitung von Vorfällen (Analyse von Motiven, Emotionen und situativen Auslösern).


Tag 2: Rückfallprävention, Ressourcenaktivierung und Umfeldarbeit

  • Beziehungsgestaltung zwischen Halt geben und Grenzen setzen
  • Risikodiagnostik und Krisenpläne: Identifikation von individuellen Triggern und das gemeinsame Erarbeiten von Exit-Strategien.
  • Ressourcenorientierung (Good Lives Model): Unterstützung von Nutzer*innen beim Aufbau prosozialer Aktivitäten und einer deliktfreien Lebensgestaltung.
  • System- und Netzwerkarbeit: Fallberatung und koordinierte Zusammenarbeit
  • Fallarbeit & Reflexion


Die Schulung richtet sich an Fachkräfte aus der Eingliederungshilfe, die

  • in ihrer Institution eine aktive Rolle, Funktion oder Mitverantwortung im Bereich des Gewaltschutzes und der Gewaltprävention tragen,
  • für das Thema Täter*innenarbeit im institutionellen Kontext sensibilisiert werden möchten, um im Ernstfall handlungsfähig zu sein,
  • theoretische und praktische Grundlagen suchen, um das bestehende Schutzkonzept ihrer Einrichtung um dieses wichtige Handlungsfeld zu ergänzen.

Leitung

Veranstaltungszeiten

Mo., 27.09.2027, 10:00 Uhr - 17:15 Uhr
Di., 28.09.2027, 09:00 Uhr - 16:15 Uhr

Ort

Marburg

Bundesgeschäftsstelle der Lebenshilfe Raiffeisenstraße 18 35043 Marburg

Veranstaltungsnummer

270864

Veranstalter

Bildungsinstitut inForm

Kosten

470 €
inkl. Tagesverpflegung

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